Das Internet ist für Politiker nicht nur eine ideale Plattform um sich von der besten Seite zu zeigen. Es eignet sich auch bestens dafür, gegnerische Parteien schlecht zu machen. Wie die Basler Zeitung berichtete, haben im aktuellen US-Wahlkampf die Republikaner 91 Prozent und die Demokraten 81 Prozent ihrer Wahlwerbung für so genannte Negativ-Kampagnen ausgegeben. Das ist ein erstaunlich hoher Anteil um eine nachhaltige Rufschädigung bei den politischen Gegnern zu erzielen. Auf die verschiedenen Gefahren, die im Netz auf Politiker sonst noch lauern, werde ich im nächsten Blog eingehen.
Dass Gegenwahlwerbung originell und witzig sein kann, ohne unter die Gürtellinie zu zielen, beweist folgendes Video aus Österreich.
Die Aufmerksamkeit bei solchen Videos ist sicherlich höher als bei einem gewöhnlichen Wahlvideo. Zudem wird am Schluss noch der Name der dahinter stehenden Partei eingeblendet, damit der Zuschauer auch weiss von wem es stammt.
„Negativ-Campaigning“ ist in den USA viel verbreiteter als in der Schweiz. In der Schweizer Politlandschaft hat sich aber in den letzten Jahren einiges getan. Man denke zum Beispiel an die Online-Games der SVP, vor der letztjährigen Nationalratswahl, die gegen Ausländer und andere Parteien gerichtet waren. In den USA scheint es den Anschein zu machen, dass ein Wahlkampf ohne Gegenwahlwerbung kaum zu gewinnen ist. In der Schweiz sind solche Wahlkampffeldzüge im Internet eher unwahrscheinlich. Gründe dafür sind das völlig andere politische System und der kulturelle Hintergrund. Zudem darf bezweifelt werden ob in der Schweiz mit agressiver Gegenwahlwerbung zusätzliche Stimmen gemacht werden können. Die spezielle Eigenschaft des Internet, dass in ihm Informationen bewusst nachgefragt werden, entschärft die Konsequenz weiter, die Gegenwahlwerbung zur Folge haben könnte (Suter, 2003, S. 146).
Festgehalten werden muss aber, dass die Gegenwahlwerbung mit sachpolitisch korrekten Inhalten von den Politikern als selbstregulierend und als Bereicherung der politischen Diskussion erachtet wird. Verunglimpfungen von Personen während Wahlkämpfen, um ihre Wahl zu verhindern, wird hingegen als kontraproduktiv erachtet (Suter, 2003, S. 146).
Literaturverzeichnis:
Suter, Hansueli (2003): Wahlwerbung zwischen off- und online. Doktorarbeit Zürich, Universität.
Ein Kommentar
Generelles Feedback: Bisher gefallen mir deine Blogeinträge gut. Du zeigst jedesmal wieder eine andere Facette zum Thema auf und illustrierst diese anschaulich (das Video der ÖVP in diesem Eintrag ist wirklich sehr humorvoll!)
Ich finde es unglaublich und sehr eindrücklich, dass fast alles Geld im US-Wahlkampf dafür draufgeht, den Gegner fertig zu machen. Bringt so etwas das Land vorwärts wenn man nur darauf bedacht ist, möglichst seine Kontrahenten auszuschalten?
In der Schweiz ist es zwar noch nicht so weit, dennoch wird auch hierzulande oft darüber geklagt, dass das politische Klima viel rauher geworden ist in den letzten Jahren. Als Beispiel dafür können u.a. die Abwahlen der BR Metzler und Blocher genannt werden.