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Archiv für den Monat April 2008

Mit diesem letzten Blogeintrag möchte ich ein kurzes Fazit zum Thema Wahlkampf im Netz ziehen. Es war interessant festzustellen, was das Internet im Bereich der Wahlwerbung für neue Möglichkeiten bietet. Für Politiker eignet sich die Wahlwerbung im Netz bestens für die Selbstdarstellung und ermöglicht so einen (scheinbar) direkteren Kontakt zu den Wählern. Gerade was die Schweiz betrifft, ist das Potential noch längst nicht ausgeschöpft und das Internet wird wohl bei den nächsten Nationalratswahlen noch eine gewichtigere Rolle einnehmen. Erstaunt war ich auch, wie in Amerika die Politiker in Wahlkämpfen als Persönlichkeiten, mit Hilfe von Showelementen, immer mehr inszeniert und beinahe wie Popstars gefeiert werden. Die Werbung und Aussagen der Politiker werden damit aber immer inhaltsleerer und zum grössten Teil werden nur noch die Emotionen der Wähler angesprochen. In der Schweiz wird es wohl nicht so weit kommen, da es doch deutliche kulturelle Unterschiede zu Amerika gibt. Zudem spielt in der Schweiz der persönliche Kontakt zu den Wählern wohl auch in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle.

Gespannt darf man auch sein wie sich die Geschichte weiterentwickelt falls das „e-voting“ einmal flächendeckend eingeführt sein wird. Es wäre dann möglich, dass sich der Wahlkampf noch mehr ins Internet verlagern wird, da diejenigen Personen die per „e-voting“ wählen und abstimmen mit dem gleichen Medium erreicht werden können.

Während meinen Recherchen habe ich sehr viele interessante Artikel gefunden. Die Aktualität der Wahlen in Amerika hat sicher auch dazu beigetragen. Ebenso habe ich viele Wahlvideos gefunden, von denen ich mich auf einige beschränken musste. Unklar ist noch, wie stark sich die Wahlwerbung auf das tatsächliche Wahlverhalten auswirkt. Hat die Wahlwerbung im Netz überhaupt einen Einfluss oder dient sie einfach als unterstützendes Mittel? Zu dieser Frage habe ich noch keine konkreten Zahlen gefunden, was wohl auch daran liegt, dass Untersuchungen und Studien in grösserem Rahmen erst noch gemacht werden.

Durch die verschiedenen Möglichkeiten im Internet entstehen für Politiker auch einige Gefahren vor denen sie sich praktisch nicht schützen können. Besonders in den USA wandert beinahe jeder Fehltritt eines Kandidaten mittels Video oder Blog ins Netz. Wie die Netzeitung berichtete haben Politiker dann nur noch zwei Möglichkeiten um zu reagieren: Entweder sie entschuldigen sich öffentlich und stellen den Sachverhalt aus ihrer Sicht klar oder sie geben Fehler zu und wollen somit für die Wähler authentischer wirken. Es gibt sehr viele Fälle, die ich während meiner Recherche entdeckt habe. Anhand von einigen Beispielen möchte ich in diesem Blogeintrag die negativen Auswirkungen des Internets als Wahlplattform aufzeigen.

Das wohl bekannteste Beispiel wie gefährlich das Internet für Politiker sein kann, lieferte vor etwas mehr als einem Jahr der „Macaca-Moment“. „Senator George Allen, der die Wiederwahl eigentlich so gut wie sicher hatte, hatte während einer Veranstaltung offenbar für eine Sekunde die Nerven verloren, als er sich an einen jungen Mann indischer Abstammung wandte und ihn mehrmals als “Macaca” beschimpfte – was ein beleidigendes Wort für Menschen mit dunkler Hautfarbe ist“ (Schoeller, 2007, S. 30). Die Rede wurde gefilmt und anschliessend auf der Videoplattform YouTube veröffentlicht. Somit konnte jeder das Video als Beweis sehen. Die Konsequenzen für diesen Ausrutscher waren für Allen fatal. Er wurde nicht mehr gewählt und verlor seinen Senatsposten. Dieses Video zeigte den Politikern deutlich die Macht des Internets auf. Viele achten seither noch mehr darauf was sie sagen und wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten. Deshalb möchte ich euch das Video auch nicht vorenthalten:

 

 

Auch für Wählerinnen und Wähler kann es gefährlich werden, wie vor einiger Zeit „InfoWeekOnline“ informierte. Hacker in Amerika nutzten das Interesse an den Wahlen, um so mittels Spam-Emails so genannte Trojaner zu verschicken. Das Email enthielt einen Link zu einem „interessanten Video“ von Hillary Clinton. Der Wahlkampf kann also für die Verbreitung von Viren ein enormer Beschleuniger sein.

Barack Obama sorgte kürzlich mit einem Foto für Aufsehen. Auf einer Kenia-Reise im Jahr 2006 wurde er in einer traditionellen muslimischen Tracht mit Turban abgelichtet (siehe Bild). Das Foto wurde im Internet veröffentlicht und die Gerüchte verbreiteten sich sehr schnell. Obama – ein Muslim? Sogar ein radikaler Muslim? Obama machte natürlich seine Konkurrentin Hillary Clinton beziehungsweise ihr Wahlkampfteam für die Veröffentlichung des Bildes verantwortlich (Schoeller, 2008, S. 1). So fand die brisante Geschichte auch noch eine Fortsetzung in den Zeitungen.


Literaturverzeichnis:

Schoeller, Olivia (2007): Wie Hillary die Nationalhymne krächzt; Im US-Wahlkampf setzen die Präsidentschaftskandidaten erstmals bewusst auf das Internet.
In: Berliner Zeitung, 7. August 2007

Schoeller, Olivia (2008): Turban des Anstosses.
In: Berliner Zeitung, 27. Februar 2008

Das Internet ist für Politiker nicht nur eine ideale Plattform um sich von der besten Seite zu zeigen. Es eignet sich auch bestens dafür, gegnerische Parteien schlecht zu machen. Wie die Basler Zeitung berichtete, haben im aktuellen US-Wahlkampf die Republikaner 91 Prozent und die Demokraten 81 Prozent ihrer Wahlwerbung für so genannte Negativ-Kampagnen ausgegeben. Das ist ein erstaunlich hoher Anteil um eine nachhaltige Rufschädigung bei den politischen Gegnern zu erzielen. Auf die verschiedenen Gefahren, die im Netz auf Politiker sonst noch lauern, werde ich im nächsten Blog eingehen.

Dass Gegenwahlwerbung originell und witzig sein kann, ohne unter die Gürtellinie zu zielen, beweist folgendes Video aus Österreich.

 

 

Die Aufmerksamkeit bei solchen Videos ist sicherlich höher als bei einem gewöhnlichen Wahlvideo. Zudem wird am Schluss noch der Name der dahinter stehenden Partei eingeblendet, damit der Zuschauer auch weiss von wem es stammt.

„Negativ-Campaigning“ ist in den USA viel verbreiteter als in der Schweiz. In der Schweizer Politlandschaft hat sich aber in den letzten Jahren einiges getan. Man denke zum Beispiel an die Online-Games der SVP, vor der letztjährigen Nationalratswahl, die gegen Ausländer und andere Parteien gerichtet waren. In den USA scheint es den Anschein zu machen, dass ein Wahlkampf ohne Gegenwahlwerbung kaum zu gewinnen ist. In der Schweiz sind solche Wahlkampffeldzüge im Internet eher unwahrscheinlich. Gründe dafür sind das völlig andere politische System und der kulturelle Hintergrund. Zudem darf bezweifelt werden ob in der Schweiz mit agressiver Gegenwahlwerbung zusätzliche Stimmen gemacht werden können. Die spezielle Eigenschaft des Internet, dass in ihm Informationen bewusst nachgefragt werden, entschärft die Konsequenz weiter, die Gegenwahlwerbung zur Folge haben könnte (Suter, 2003, S. 146).

Festgehalten werden muss aber, dass die Gegenwahlwerbung mit sachpolitisch korrekten Inhalten von den Politikern als selbstregulierend und als Bereicherung der politischen Diskussion erachtet wird. Verunglimpfungen von Personen während Wahlkämpfen, um ihre Wahl zu verhindern, wird hingegen als kontraproduktiv erachtet (Suter, 2003, S. 146).

Literaturverzeichnis:

Suter, Hansueli (2003): Wahlwerbung zwischen off- und online. Doktorarbeit Zürich, Universität.

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